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Eierstockkrebs: Das Krankheitsbild
Eierstockkrebs ist eine Diagnose, die vielen Frauen zunächst einen Schock versetzt. Doch was genau bedeutet diese Diagnose? Welche Behandlungsmöglichkeiten versprechen Erfolg, und welche Anzeichen sollten frühzeitig ernst genommen werden? In diesem Ratgeber erhalten Sie einen Überblick über die wichtigsten Symptome, Risikofaktoren und aktuellen Therapien bei Eierstocktumoren.
Was ist Eierstockkrebs, und wie entsteht er?
Eierstockkrebs (Ovarialkarzinom) ist eine bösartige Erkrankung der Eierstöcke. Dabei verändern sich Zellen in den Eierstöcken, wachsen unkontrolliert und bilden einen Tumor, der das umliegende Gewebe schädigen kann.
In Deutschland erhalten jedes Jahr etwa 6.700 Frauen die Diagnose Eierstockkrebs. Das Risiko, zu erkranken, steigt mit dem Alter. Zum Zeitpunkt der Diagnose sind die Betroffenen im Schnitt 68 Jahre alt, aber auch jüngere Frauen können an Eierstockkrebs erkranken.(1)
Wie genau Eierstockkrebs entsteht, ist noch nicht vollständig geklärt. Es gibt jedoch Faktoren, die das Risiko für ein Ovarialkarzinom erhöhen:(2), (3), (4)
● höheres Lebensalter
● Kinderlosigkeit
● Hormontherapie in den Wechseljahren
● Übergewicht
● genetische Veränderungen
● Kontakt mit Asbest
Etwa jede vierte Erkrankung ist erblich bedingt. So können Mutationen in Genen wie BRCA1 und BRCA2 das Risiko erhöhen. Frauen mit solchen Genveränderungen haben ein Risiko von 20 bis 60 Prozent, im Laufe ihres Lebens ein Ovarialkarzinom zu entwickeln.(2)
Neben Risikofaktoren, die eine Erkrankung wahrscheinlicher machen, gibt es auch Einflüsse, die das Erkrankungsrisiko senken. Dazu zählen mehrere Geburten, lange Stillzeiten und eine längere Einnahme der Antibabypille.(2)
Formen von Eierstockkrebs
Die Eierstöcke sind etwa pflaumengroße Organe, die weibliche Geschlechtshormone produzieren und befruchtungsfähige Eizellen bereitstellen. Sie bestehen daher aus verschiedenen Zellarten. Je nachdem, in welcher Zellart der Tumor entsteht, unterscheiden Mediziner*innen zwischen
● epithelialen Tumoren, die von der äußersten Zellschicht (dem Epithel) ausgehen,
● Keimstrangtumoren, die sich im sogenannten Stützgewebe bilden,
● Keimzelltumoren, die aus den Eizellen entstehen.
Etwa 90 Prozent der bösartigen Eierstocktumoren sind epithelial. Weitere Krebsarten, die dem Eierstockkrebs ähneln, sind der Eileiterkrebs (Tubenkarzinom) und der Bauchfellkrebs (Peritonealkarzinom). Sie entstehen zwar nicht im Eierstock, ähneln den Eierstocktumoren jedoch so stark, dass sie ähnlich behandelt werden.(2)
Welche Symptome deuten auf Eierstockkrebs hin?
Eierstockkrebs verursacht im Frühstadium meist keine Beschwerden und wird deshalb oft spät entdeckt. Erst wenn der Tumor auf andere Organe drückt, entwickeln sich
Symptome.(2), (3), (4)
Erste Anzeichen sind oft unspezifisch und können auch bei anderen Erkrankungen auftreten. Dazu gehören Bauchschmerzen, Druck im Unterbauch, Blähungen, Völlegefühl und häufiges Wasserlassen. Veränderungen im Menstruationszyklus, wie unregelmäßige oder ausbleibende Blutungen, können ebenfalls vorkommen.
Im fortgeschrittenen Stadium verstärken sich die Symptome. Typisch sind ein zunehmender Bauchumfang, Atembeschwerden durch Flüssigkeitsansammlungen im Bauch (Aszites), ungewollte Gewichtsabnahme, Rückenschmerzen, Verdauungsprobleme und Schmerzen beim Wasserlassen.
Da diese Symptome auch andere Ursachen haben können, sollten Sie, falls bei Ihnen solche Beschwerden anhaltend oder wiederkehrend auftreten, unbedingt eine hausärztliche oder gynäkologische Praxis aufsuchen.(2), (3), (4)
Diagnostik und Früherkennung
Ihre Ärztin oder Ihr Arzt tastet zunächst den Bauch ab und untersucht anschließend den Bauchraum mittels Ultraschall. Besteht der Verdacht auf Eierstockkrebs, folgen eine gynäkologische Tastuntersuchung und eine Ultraschalluntersuchung über die Scheide, da die Eierstöcke so besser sichtbar sind. Bei Auffälligkeiten können weitere bildgebende Verfahren wie Computertomografie (CT) oder Magnetresonanztomografie (MRT) zeigen, ob ein Tumor vorliegt und, wenn ja, wie weit er sich ausgebreitet hat.(2), (3), (4), (5)
Häufig wird auch Blut abgenommen, um sogenannte Tumormarker zu bestimmen. Diese zeigen sich bei Tumoren, aber auch bei anderen Erkrankungen, in erhöhter Konzentration im Blut. Tumormarker allein sind jedoch nicht aussagekräftig, da nicht alle Frauen mit Ovarialkarzinom erhöhte Werte haben – und umgekehrt. Die Untersuchung dient daher vor allem der Verlaufskontrolle.(2), (3), (4), (5)
Für eine gesicherte Diagnose wird verdächtiges Gewebe entnommen und unter dem Mikroskop untersucht, meist im Rahmen einer Bauchspiegelung.(2), (3), (4), (5)
Stadien von Eierstockkrebs
Die Ausbreitung der Erkrankung wird nach der sogenannten FIGO-Klassifikation
eingeteilt:(3)
- Stadium I: Der Tumor befällt einen oder beide Eierstöcke.
- Stadium II: Der Tumor breitet sich im Becken aus.
- Stadium III: Der Tumor breitet sich in der Bauchhöhle aus oder befällt Lymphknoten.
- Stadium IV: Der Tumor breitet sich außerhalb der Bauchhöhle aus.
Wie wird Eierstockkrebs behandelt?
Bei Eierstockkrebs basiert die Behandlung auf drei wichtigen Säulen: Operation, Chemotherapie und Erhaltungstherapie. Oft werden die Schritte genau in dieser Reihenfolge durchlaufen. Nach der Diagnose erfolgt meist eine offene Bauchoperation, bei der der Tumor und der befallene Eierstock operativ entfernt werden. Je nach Befund können weitere Organe oder Teile von Organen entfernt werden.(2), (3), (4), (5)
In vielen Fällen folgt eine Chemotherapie, um verbliebene Krebszellen abzutöten und damit ein erneutes Tumorwachstum zu verhindern. Die dritte Säule ist die Erhaltungstherapie zur Behandlung von Eierstockkrebs. Ziel der Therapie ist es, eine Rückkehr der Erkrankung zu verhindern oder zumindest zu verzögern. Normalerweise wird mit der Erhaltungstherapie nach Operation und Chemotherapie begonnen. Sie erfolgt mit Medikamenten über einen längeren Zeitraum. (2), (3), (4), (5) Welche Therapieoptionen in Ihrem Fall sinnvoll sind, bespricht Ihr Behandlungsteam ausführlich mit Ihnen.
Wie sieht die Prognose bei Eierstockkrebs aus?
Die Prognose hängt stark vom Tumorstadium zum Zeitpunkt der Diagnose ab. Im Frühstadium, wenn der Tumor auf die Eierstöcke begrenzt ist (Stadium I), leben nach fünf Jahren noch etwa 90 Prozent der Betroffenen.(1)
Da viele Ovarialkarzinome jedoch erst spät diagnostiziert werden, ist die Erkrankung bei drei Viertel der Patientinnen zum Zeitpunkt der Diagnose bereits fortgeschritten (Stadium III oder IV). Die Aussichten sind dann ungünstiger: Nach fünf Jahren lebt noch knapp die Hälfte der Betroffenen.(1)
Eierstockkrebs vorbeugen
Eine sichere Methode, Eierstockkrebs zu verhindern, gibt es nicht. Das Risiko lässt sich jedoch durch eine gesunde Ernährung, regelmäßige Bewegung, Gewichtsmanagement und Nichtrauchen reduzieren. Hormonelle Faktoren wie die Einnahme der Antibabypille, Geburten und lange Stillzeiten können ebenfalls das Risiko senken.
Bei familiärer Vorbelastung oder genetischer Veranlagung empfiehlt sich eine humangenetische Beratung. In bestimmten Fällen kann nach Abschluss der Familienplanung eine vorsorgliche Entfernung der Eierstöcke und Eileiter sinnvoll sein. Diese Entscheidung sollte sorgfältig und nach ärztlicher und psychologischer Beratung getroffen werden.(2), (3)
Quellen:
- Zentrum für Krebsregisterdaten (Robert Koch-Institut): „Eierstockkrebs (Ovarialkarzinom)“. Verfügbar unter: https://www.krebsdaten.de/Krebs/DE/Content/Krebsarten/Eierstockkrebs/eierstockkrebs_node.html. April 2026.
- Krebsinformationsdienst (Deutsches Krebsforschungszentrum): „Eierstockkrebs (Ovarialkarzinom)“. Verfügbar unter: https://www.krebsinformationsdienst.de/eierstockkrebs. April 2026.
- Deutsche Krebshilfe e.V.: „Eierstockkrebs“. Verfügbar unter: https://www.krebshilfe.de/informieren/ueber-krebs/krebsarten/eierstockkrebs. April 2026.
- Deutsche Krebsgesellschaft e.V.: „Eierstockkrebs“. Verfügbar unter: https://www.krebsgesellschaft.de/onko-internetportal/basis-informationen-krebs/krebsarten/andere-krebsarten/eierstockkrebs.html. April 2026.
- AWMF: „S3-Leitlinie Diagnostik, Therapie und Nachsorge maligner Ovarialtumoren“. Version 6.1, Januar 2026. Verfügbar unter: https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/032-035OL. April 2026.
NP-DE-NRP-WCNT-250010; 04/26