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Multiples Myelom: Das Krankheitsbild im Überblick
Das Multiple Myelom ist eine bösartige Erkrankung, die von den Plasmazellen im Knochenmark ausgeht. Hier erfahren Sie alles Wichtige über Symptome, Diagnose und Therapiemöglichkeiten.
Was ist das Multiple Myelom?
Beim Multiplen Myelom vermehren sich entartete Plasmazellen unkontrolliert im Knochenmark, daher wird das Multiple Myelom auch Knochenmarkkrebs genannt. Die veränderten Zellen verdrängen gesundes Gewebe und beeinträchtigen so die normale Blutbildung. Handelt es sich lediglich um einen einzelnen Tumor, der aus entarteten Plasmazellen besteht, sprechen Fachleute von einem Plasmozytom.(1), (2)
Das Multiple Myelom ist eine eher seltene Erkrankung. Umso wichtiger ist es, dass sich Betroffene gut informieren.(1)
Ursachen und Risikofaktoren für das Multiple Myelom
Bestimmt fragen Sie sich, wie ein Multiples Myelom entsteht. Die genauen Ursachen sind bis heute nicht vollständig geklärt, es gibt jedoch einige Faktoren, die das persönliche Erkrankungsrisiko, statistisch gesehen, erhöhen können. Dazu zählen bestimmte genetische Veränderungen und eine familiäre Anfälligkeit.(3)
Auch das Alter spielt eine Rolle. Falls bei Ihnen ein Multiples Myelom diagnostiziert wurde, sind Sie wahrscheinlich schon über 70. Weitere Risikofaktoren sind: männliches Geschlecht, eine vorangegangene Strahlenbelastung, Kontakt mit bestimmten Chemikalien sowie chronische Infektionen und Entzündungen.(2), (3)
Das Multiple Myelom: Klassifikation und Einteilung
Das Multiple Myelom tritt nicht nur in einer Form auf. Das ist wichtig zu wissen, da sich die Subtypen des Knochenmarkkrebses in ihrem Verlauf und ihrer Prognose unterscheiden. Ihre Ärztin oder Ihr Arzt wird die sogenannte WHO-Klassifikation verwenden, um das Multiple Myelom und Ihren individuellen Fall besser einordnen zu können.(4)
Auch die Stadieneinteilung nach dem International Staging System (ISS) ist wichtig. Sie basiert auf Blutwerten, insbesondere auf der Konzentration eines bestimmten Eiweißmoleküls (Beta-2-Mikroglobulin) und eines speziellen Proteins im Blutplasma (Albumin). Anhand dieser Laborwerte wird Ihre Ärztin oder Ihr Arzt bestimmen, wie weit Ihre Erkrankung fortgeschritten ist. Das hilft, die bestmögliche Therapie zu planen.(5)
An welchen Symptomen können Sie ein Multiples Myelom erkennen?
Ein Multiples Myelom verursacht zu Beginn oft Beschwerden, bei denen Sie vermutlich nicht an Knochenkrebs denken. Zu den Symptomen gehören beispielsweise Müdigkeit, Übelkeit, Verwirrtheit, Blässe und ein Schwächegefühl. Auch Atemnot, Kopfschmerzen und Knochenschmerzen können auftreten.(6)
Ein weiteres Warnsignal ist eine erhöhte Infektanfälligkeit, da die veränderten Plasmazellen nicht normal funktionieren und deswegen das Immunsystem schwächen. Wenn Sie mehrere dieser Symptome bei sich feststellen und diese länger anhalten, sollten Sie unbedingt einen Arzt oder eine Ärztin aufsuchen. Denken Sie aber daran: Knochenkrebs ist selten, und die genannten Symptome kommen auch bei vielen anderen Erkrankungen
vor.(7)
Diagnose des Multiplen Myeloms
Um ein Plasmozytom oder ein Multiples Myelom sicher zu diagnostizieren, sind verschiedene Untersuchungen notwendig. Bei einem Verdacht wird Ihr Arzt oder Ihre Ärztin zunächst Ihr Blutbild analysieren und die Konzentration typischer Antikörper oder sogenannter Leichtketten (bestimmte Bestandteile von Antikörpern) und anderer Eiweiße bestimmen. Auch eine Urinuntersuchung kann Hinweise auf die Erkrankung liefern.(8)
Unverzichtbar ist eine Knochenmarkpunktion, bei der mit einer speziellen Nadel Zellen aus dem Knochenmark entnommen werden, um den Anteil der veränderten Plasmazellen im Knochenmark festzustellen. Genetische Untersuchungen dieser Zellen geben Aufschluss über mögliche Chromosomenveränderungen. Diese Information ist bedeutsam, da sie Einfluss auf die Prognose haben kann. Eine Knochenmarkpunktion wird in der Regel ambulant durchgeführt. Falls Sie Angst vor der Untersuchung haben, sprechen Sie das Behandlungsteam bitte offen darauf an.(8)
Mithilfe bildgebender Verfahren (vor allem Computer- oder Magnetresonanztomografie) können Ärztinnen und Ärzte außerdem den Zustand der Knochen beurteilen. Dabei sehen sie auch, ob und wenn ja, wie stark sich das Multiple Myelom eventuell ausgebreitet hat.(8)
Wie sieht die Therapie beim Multiplen Myelom aus?
Falls bei Ihnen ein Multiples Myelom diagnostiziert wurde, wird die Behandlung individuell auf Sie abgestimmt. Dafür richten sich die Ärzte und Ärztinnen nach dem Stadium der Erkrankung und Ihrem individuellen Risikoprofil (Allgemeinzustand, Begleiterkrankungen, Alter). In der Regel empfehlen sie eine Kombination aus medikamentöser Therapie (Chemotherapie) und unterstützenden Maßnahmen. Falls Sie unter 70 und grundsätzlich in einer guten körperlichen Verfassung sind, besteht zudem die Möglichkeit, Ihnen im Anschluss an die Chemotherapie eigene Stammzellen zu transplantieren.(9)
Die Forschung arbeitet außerdem an neuen Therapieansätzen. Dazu gehören Immun- und Antikörpertherapien sowie sogenannte zielgerichtete Therapien, die sich gegen ein bestimmtes Merkmal der Tumoren wenden und deshalb in der Regel weniger belastend sind. Ob diese Behandlungsmethoden für Sie passen, sollten Sie mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin besprechen.(9)
Ein weiterer Bereich der Behandlung konzentriert sich darauf, Ihre Knochen so gut wie möglich zu unterstützen, um Komplikationen wie Knochenbrüche zu vermeiden. Dafür erhalten Sie zum Beispiel Medikamente zum Schutz der Knochen. Manchmal kann auch eine Strahlentherapie oder eine stabilisierende Operation sinnvoll sein.(9)
Die Erkrankung und die Behandlung schwächen das Immunsystem erheblich. Das Behandlungsteam wird das im Blick behalten und versuchen, Sie vor Infektionen zu schützen. Dafür kommen verschiedene Maßnahmen infrage, etwa eine vorbeugende Einnahme von Antibiotika oder eine Übertragung funktionsfähiger Abwehrzellen per Infusion.(10)
Vor allem Chemotherapien stellen eine Belastung für den Körper dar und haben häufig verschiedene Nebenwirkungen, können die Lebenserwartung aber deutlich verbessern. Zudem kann man vielen der durch die Behandlung auftretenden Beschwerden mittlerweile vorbeugen, oder sie lassen sich wirksam behandeln oder zumindest lindern.(9)
Nachsorge und Prognose – was Sie erwartet
Die mittlere Lebenserwartung von Patient*innen mit Multiplem Myelom liegt je nach Risikoprofil bei fünf bis zehn Jahren, bei Hochrisikoformen kann sie kürzer sein. Das Multiple Myelom ist in der Regel nicht heilbar, aber die Prognose hat sich in den vergangenen Jahren erheblich verbessert. Oftmals gelingt es über viele Jahre, die Krankheit zu kontrollieren. Dazu sind regelmäßige Nachsorgeuntersuchungen erforderlich.(4)
Zur Nachsorge gehören Kontrollen des Blutbilds sowie des Urins, Untersuchungen des Knochenmarks und bildgebende Verfahren. Auf diese Weise erkennen Ärztinnen und Ärzte in der Regel schnell, ob die Erkrankung fortschreitet oder ob es zu einem Rückfall gekommen ist. Die Nachsorge gibt Ihnen also Sicherheit und ermöglicht Ihnen ein besseres Leben mit der Erkrankung.(11)
Vorbeugung und Früherkennung des Multiplen Myeloms
Es ist nicht möglich, einem Multiplen Myelom sicher vorzubeugen, da die genauen Ursachen unbekannt sind. Fachleute empfehlen auch keine Früherkennungsuntersuchungen. Nach aktuellem Kenntnisstand verlängert die frühzeitige Diagnose eines Multiplen Myeloms weder die Überlebensdauer, noch verbessert sie die Prognose der Betroffenen.(4), (2)
Ein Multiples Myelom ist eine ernste Erkrankung. Dank moderner Therapien haben Betroffene aber heute eine deutlich bessere Prognose als früher. Lassen Sie sich von Ihrer behandelnden Ärztin bzw. Ihrem behandelnden Arzt umfassend beraten – insbesondere zu den Möglichkeiten einer Behandlung in spezialisierten Zentren. Gemeinsam können Sie die für Sie passende Therapie auswählen und so die bestmögliche Versorgung sicherstellen.
Quellen:
- Krebsinformationsdienst (Deutsches Krebsforschungszentrum): „Multiples Myelom“. Verfügbar unter: https://www.krebsinformationsdienst.de/multiples-myelom. Juni 2025.
- Deutsche Krebshilfe: „Risikofaktoren für ein Multiples Myelom“. Verfügbar unter: https://www.krebshilfe.de/informieren/ueber-krebs/krebsarten/multiples-myelom-plasmozytom/#c32766. Juni 2025.
- Krebsinformationsdienst (Deutsches Krebsforschungszentrum): „Multiples Myelom: Ursachen, Risikofaktoren und Früherkennung“. Verfügbar unter: https://www.krebsinformationsdienst.de/multiples-myelom/risikofaktoren-und-frueherkennung. Juni 2025.
- AWMF-Leitlinienprogramm Onkologie: „S3-Leitlinie Diagnostik, Therapie und Nachsorge für Patienten mit monoklonaler Gammopathie unklarer Signifikanz (MGUS) oder Multiplem Myelom“. Verfügbar unter: https://register.awmf.org/assets/guidelines/018-035OLk_S3_Diagnostik-Therapie-Nachsorge-monoklonaler-Gammopathie-unklarer-Signifikanz-MGUS-Multiplem-Myelom_2022-02.pdf. Juni 2025.
- Deutsche Krebshilfe: „Klassifikation des Multiplen Myeloms“. Verfügbar unter: https://www.krebshilfe.de/informieren/ueber-krebs/krebsarten/multiples-myelom-plasmozytom/#c32739. Juni 2025.
- Krebsinformationsdienst (Deutsches Krebsforschungszentrum): „Multiples Myelom: Symptome“. Verfügbar unter: https://www.krebsinformationsdienst.de/multiples-myelom/symptome. Juni 2025.
- Deutsche Krebshilfe: „Multiples Myelom: Symptome“. Verfügbar unter: https://www.krebshilfe.de/informieren/ueber-krebs/krebsarten/multiples-myelom-plasmozytom/#c32758. Juni 2025.
- Krebsinformationsdienst (Deutsches Krebsforschungszentrum): „Diagnose Multiples Myelom“. Verfügbar unter: https://www.krebsinformationsdienst.de/multiples-myelom/diagnostik. Juni 2025.
- Krebsinformationsdienst (Deutsches Krebsforschungszentrum): „Therapie Multiples Myelom: Behandlung und Nebenwirkungen“. Verfügbar unter: https://www.krebsinformationsdienst.de/multiples-myelom/behandlung. Juni 2025.
- Deutsche Krebshilfe: „Wie können Infektionen verhindert werden?“ Verfügbar unter: https://www.krebshilfe.de/informieren/ueber-krebs/krebsarten/multiples-myelom-plasmozytom/#c32713. Juni 2025.
- Krebsinformationsdienst (Deutsches Krebsforschungszentrum): „Nachsorge und Verlaufskontrollen beim Multiplen Myelom“. Verfügbar unter: https://www.krebsinformationsdienst.de/multiples-myelom/nachsorge-und-reha#c3621. Juni 2025.
NP-DE-ON-WCNT-250051; 09/25