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Multiples Myelom: Diagnose und Untersuchung
Das Multiple Myelom, umgangssprachlich auch Knochenmarkkrebs genannt, ist eine seltene Erkrankung des blutbildenden Systems im Knochenmark. Hier erfahren Sie, wie ein Multiples Myelom erkannt und diagnostiziert wird.
Auf welche Fragen sollten Sie sich vorbereiten?
Das Multiple Myelom kann über längere Zeit unbemerkt bleiben und wird häufig zufällig bei Routineuntersuchungen entdeckt. Typische Beschwerden sind Knochenschmerzen, Müdigkeit, Appetitlosigkeit, Übelkeit, schäumender Urin oder häufigeres Wasserlassen. Diese Symptome können jedoch viele Ursachen haben und bedeuten nicht zwangsläufig, dass eine Krebserkrankung vorliegt. Wenn Sie solche Beschwerden haben, ist es trotzdem wichtig, zeitnah einen Termin in Ihrer ärztlichen Praxis zu vereinbaren, um die Symptome medizinisch abklären zu lassen.(1), (4)
Zu Beginn der Diagnostik findet in der Regel ein ausführliches Gespräch über Ihre Krankengeschichte (Anamnese) statt. Dabei werden Ihre aktuellen Beschwerden erfasst und Sie werden nach Einzelheiten wie Beginn, Dauer und Verlauf der Symptome gefragt. Zudem wird sich nach familiären Fällen von Blutkrebs sowie nach einem möglichen Kontakt zu Chemikalien oder Strahlung erkundigt, da diese Faktoren mit einem erhöhten Risiko für ein Multiples Myelom verbunden sein können.(2), (4)
Welche Untersuchungen werden durchgeführt?
Nach dem ausführlichen Anamnesegespräch folgt in der Regel eine gründliche körperliche Untersuchung. Mit dem Stethoskop werden Herz und Lunge abgehört, um Ihren allgemeinen Gesundheitszustand und Ihre Körperfunktionen zu überprüfen. Außerdem wird Ihr Körper auf mögliche Auffälligkeiten (z. B. Schwellungen)
untersucht.(2), (4)
Besteht der Verdacht auf ein Multiples Myelom, wird Ihnen Blut aus der Vene entnommen. Zusätzlich werden Sie gebeten, Ihren Urin über 24 Stunden in einem speziellen Gefäß zu sammeln. Die Proben werden anschließend in ein medizinisches Labor geschickt. Dort überprüfen Fachleute das Material auf typische Eiweißstoffe (Paraproteine), die beim Multiplen Myelom häufig nachweisbar sind. Anhand der Blutproben wird außerdem ein großes Blutbild erstellt. Es zeigt, ob das Knochenmark in seiner Funktion möglicherweise eingeschränkt ist.(2), (4)
Ein weiterer wichtiger Schritt ist das sogenannte Differenzialblutbild. Bei dieser Form der Blutuntersuchung werden die verschiedenen Typen der weißen Blutkörperchen bestimmt und gezählt. Zusätzliche Laborwerte zeigen, ob die Nieren einwandfrei arbeiten. Die Ergebnisse helfen Ihrem Behandlungsteam, festzustellen, ob ein Multiples Myelom vorliegt, und geben im Falle einer Erkrankung auch Hinweise darauf, wie weit die Erkrankung fortgeschritten ist.(2), (4)
Zur sicheren Diagnose wird meist eine Knochenmarkpunktion oder -aspiration durchgeführt. Dabei wird eine kleine Probe des Knochenmarks oder Knochenmarkbluts entnommen, in der Regel aus dem Beckenknochen. Im Labor wird dann untersucht, ob sich veränderte Plasmazellen finden – ein typisches Merkmal des Multiplen Myeloms.(2), (4)
Vor dem Eingriff wird die Einstichstelle örtlich betäubt, sodass Sie keine Schmerzen verspüren. Während der Entnahme kann allerdings ein Druckgefühl oder ein ziehender Schmerz auftreten, wenn das Knochenmark angesaugt wird. Der Eingriff dauert meist nicht länger als 15 Minuten. Nach der Probenentnahme wird das Material im Labor
untersucht.(2), (4)
Welche bildgebenden Verfahren helfen bei der Diagnose?
Bildgebende Verfahren helfen dabei, zu beurteilen, ob und wenn ja, wie stark das Multiple Myelom die Knochen bereits geschädigt hat. Standard ist die sogenannte Ganzkörper-Computertomografie (CT) mit niedriger Strahlendosis. Dieses spezielle Röntgenverfahren erstellt schichtweise Bilder des gesamten Körpers. Während der Untersuchung fahren Sie auf einer Liege langsam durch eine ringförmige Röntgenröhre. Ein Computer setzt die Bilder zu einem detaillierten Abbild Ihres Körpers zusammen. Typisch für ein Multiples Myelom sind CT-Bilder, die kleine, wie ausgestanzt wirkende Löcher im Knochen (Osteolysen) zeigen.(2), (4)
Noch genauer ist die Magnetresonanztomografie (MRT). Sie kann Veränderungen sichtbar machen, die im CT noch nicht zu sehen sind. Zudem können Mediziner*innen auf dieser Basis oft unterscheiden, ob ein Knochenbruch durch Osteoporose (Knochenschwund) oder durch ein Multiples Myelom verursacht wurde und ob sich Myelomzellen auch außerhalb der Knochen finden. Bei der Magnetresonanztomografie werden starke Magnetfelder und Radiowellen eingesetzt, um genaue Bilder aus dem Inneren des Körpers zu erstellen. Während der Untersuchung liegen Sie in einer röhrenförmigen Öffnung des Geräts. Wichtig ist, dass Sie sich während der gesamten Untersuchung nicht bewegen. Die Methode zeigt vor allem Weichteilgewebe (z. B. Organe, Knochenmark und Nerven) sehr detailliert und ist schmerzfrei.(2), (4)
Gibt es Angebote zur Früherkennung?
Es gibt in Deutschland aktuell derzeit keine Angebote zur Früherkennung wie beispielsweise für Brust- oder Hautkrebs. Das liegt daran, dass bislang keine Untersuchungsmethoden existieren, die erstens zuverlässig genug und zweitens sinnvoll wären, um sie bei Menschen, die keine Beschwerden haben, routinemäßig einzusetzen. Grundsätzlich gilt jedoch: Unklare oder anhaltende Symptome sollten immer ärztlich abgeklärt werden.(3), (4)
Das Multiple Myelom, auch Knochenmarkkrebs genannt, wird häufig zufällig entdeckt, etwa im Rahmen von Routineuntersuchungen. Typische Beschwerden können Knochenschmerzen, Müdigkeit, Übelkeit oder häufiges Wasserlassen sein. Besteht ein Verdacht, führt das Behandlungsteam zunächst eine körperliche Untersuchung durch und veranlasst anschließend Blut- und Urintests. Zur endgültigen Diagnosesicherung sind eine Untersuchung des Knochenmarks sowie bildgebende Verfahren notwendig.
Quellen:
- DKFZ/Krebsinformationsdienst: Symptome bei Multiplem Myelom: Warnzeichen erkennen. Verfügbar unter: https://www.krebsinformationsdienst.de/multiples-myelom/symptome. August 2025.
- DKFZ/Krebsinformationsdienst: Diagnose Multiples Myelom: Untersuchungen bei Krebsverdacht. Verfügbar unter: https://www.krebsinformationsdienst.de/multiples-myelom/diagnostik. August 2025.
- DKFZ/Krebsinformationsdienst: Multiples Myelom: Ursachen, Risikofaktoren und Früherkennung. Verfügbar unter: https://www.krebsinformationsdienst.de/multiples-myelom/risikofaktoren-und-frueherkennung. August 2025.
- S3-Leitlinie: Diagnostik, Therapie und Nachsorge für Patienten mit monoklonaler Gammopathie unklarer Signifikanz (MGUS) oder Multiplem Myelom. Verfügbar unter: https://register.awmf.org/assets/guidelines/018-035OLk_S3_Diagnostik-Therapie-Nachsorge-monoklonaler-Gammopathie-unklarer-Signifikanz-MGUS-Multiplem-Myelom_2022-02.pdf. August 2025.
NP-DE-BLM-WCNT-250016; 11/25