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Zwei Paar Hände halten einander fest vor einem Hintergrund aus einem lila Kreis umrandet von einem gelben Kreis.

Fortschritte in der Krebsforschung

In den vergangenen Jahren wurden in der gynäkologischen Onkologie erhebliche therapeutische Fortschritte erzielt. Das langfristige Ziel besteht jedoch darin, Krebszellen mithilfe von Früherkennungsprogrammen rechtzeitig zu erkennen, sodass ein Fortschreiten der Erkrankung verhindert werden kann. Welche Möglichkeiten gibt es bei Eierstock- und Gebärmutterkörperkrebs?

Eine Ärztin erklärt einer Krebspatientin die Behandlung

Früherkennung bei gynäkologischen Krebserkrankungen

Die gynäkologische Onkologie befasst sich mit Tumorerkrankungen der weiblichen Fortpflanzungsorgane. Dazu zählen Brustkrebs, Gebärmutterkörperkrebs, Gebärmutterhalskrebs, Eierstockkrebs, Vulvakrebs, Vaginalkrebs und Eileiterkrebs. Mit circa 75.000 Neuerkrankungen pro Jahr stellt Brustkrebs die häufigste gynäkologische Krebserkrankung dar.(1), (2)

Die einzige gynäkologische Krebserkrankung, für die derzeit etablierte Früherkennungsprogramme zur Verfügung stehen, ist Gebärmutterhalskrebs. Zur Früherkennung kommen Verfahren wie der Pap-Test und der HPV-Test zum Einsatz. Mithilfe dieser Tests kann nahezu die Hälfte der Tumoren bereits in einem frühen Stadium erkannt werden. Zusätzlich kann eine HPV-Impfung präventiv vor Gebärmutterhalskrebs sowie vor Vulva- und Vaginalkrebs schützen, da diese Krebserkrankungen häufig durch eine Infektion mit humanen Papillomviren (HPV) verursacht werden – eine sehr weit verbreitete sexuell übertragbare Infektion.(2), (3), (4)

Für alle anderen gynäkologischen Krebserkrankungen stehen derzeit keine zuverlässigen Methoden zur Früherkennung zur Verfügung. Grundsätzlich gilt jedoch: Je früher eine Krebserkrankung erkannt wird, desto besser sind in der Regel die Behandlungsmöglichkeiten. Zur Abklärung eines Verdachts und zur Diagnosestellung kommen verschiedene medizinische Untersuchungsverfahren zum Einsatz:(2)

  • Anamnese und körperliche Untersuchung, beispielsweise eine Tastuntersuchung
  • Zellabstrich, etwa im Rahmen eines Pap-Tests
  • Ultraschalluntersuchung
  • Gebärmutterspiegelung (Hysteroskopie) mit Gewebeentnahme (Biopsie)
  • Fraktionierte Abrasio: die Ausschabung unter Narkose ist ein gynäkologischer Eingriff, bei dem Gewebe aus der Gebärmutter entnommen und untersucht wird
  • Mammografie bei Verdacht auf Brustkrebs
Grafik einer Gebärmutter

Früherkennung bei Gebärmutterkörperkrebs 

Gebärmutterkörperkrebs ist der Oberbegriff für alle Tumoren, die im Körper der Gebärmutter entstehen. Der Gebärmutterkörper bildet den oberen, breiteren Abschnitt der Gebärmutter und besteht überwiegend aus Muskulatur, die mit Schleimhaut ausgekleidet ist. Ein Endometriumkarzinom entsteht in der Schleimhaut der Gebärmutter und wird auch Gebärmutterschleimhautkrebs genannt. Der Gebärmutterhals hingegen umfasst etwa das untere Drittel der Gebärmutter und den Gebärmutterhalskanal (Zervikalkanal).(5)

Jährlich erkranken etwa 10.000 Frauen neu an Gebärmutterkörperkrebs. Damit zählt diese Erkrankung zu den fünf häufigsten Krebserkrankungen bei Frauen und ist zugleich die häufigste bösartige Erkrankung der weiblichen Genitalorgane. Das mittlere Erkrankungs­alter liegt bei 67 Jahren. Das relative 5-Jahres-Überleben gibt an, wie viel Prozent der Betroffenen mit Gebärmutterkörperkrebs im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung nach fünf Jahren noch leben. In Deutschland sind das rund 78 Prozent. Aufgrund der insgesamt günstigen Prognose ist die Zahl der Todesfälle vergleichsweise gering. Etwa 80 Prozent der Erkrankungen sind hormonabhängig.(6)

Zwei Sprechblasen, eine mit Herz, eine mit drei Punkten.

Wie es nach einer Krebsdiagnose weitergeht und welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt, erfahren Sie im Leitfaden „Gebärmutterkrebs“.

Trotz der vergleichsweise guten Prognose existiert für Gebärmutterkörperkrebs bislang kein standardisiertes, flächendeckendes Früherkennungsprogramm. Studien zeigen, dass Ultraschalluntersuchungen bei Frauen ohne erhöhtes Risiko weder die Heilungschancen verbessern noch die Sterblichkeit senken. Bei Frauen mit einem erhöhten Risiko für ein Endometriumkarzinom – etwa beim Lynch-Syndrom, bei Adipositas, Diabetes oder dem PCO-Syndrom – sollte das individuelle Risiko mit den Ärzt*innen besprochen werden, um über eine engmaschigere Überwachung zu entscheiden.(7)

Um eine mögliche Krebserkrankung dennoch frühzeitig zu erkennen, ist es wichtig, auf typische Warnsignale zu achten. Bei Zwischen- oder Schmierblutungen (insbesondere bei Frauen über 35 Jahren), Blutungen nach der Menopause, blutigem, fleischfarbenem oder eitrigem Ausfluss außerhalb der Periode, anhaltenden Unterbauchschmerzen sowie bei ungeklärtem Gewichtsverlust sollten Betroffene die Symptome ärztlich abklären lassen.(8) 

Eine Frau liegt im Bett: Symptome bei Eierstockkrebs unspezifisch

Früherkennung bei Eierstockkrebs 

Eierstockkrebs tritt seltener auf als Gebärmutterkrebs. Jährlich erkranken etwa 6.700 Frauen daran, was rund einem Drittel aller Krebserkrankungen der weiblichen Genitalorgane entspricht. Das mittlere Erkrankungsalter liegt bei 68 Jahren. Da die Diagnose bei etwa 75 Prozent der Erkrankungen erst in einem späten Stadium gestellt wird, ist die Prognose ungünstiger als bei Gebärmutterkörperkrebs. Das relative 5-Jahres-Überleben liegt derzeit bei etwa 44 Prozent. Dass Eierstockkrebs vielfach erst so spät erkannt wird, hängt unter anderem damit zusammen, dass die Symptome oft unspezifisch sind und daher lange unbemerkt bleiben.(9), (10)

Bislang existiert kein geeignetes Früherkennungsprogramm, das im Rahmen eines allgemeinen Screenings eingesetzt werden könnte. Studien zeigen, dass auch regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen keinen positiven Einfluss auf die Sterblichkeit haben. Trotz intensiver Forschung und neuer Therapieansätze bleibt die Prognose daher häufig ungünstig.(10)

Umso wichtiger ist es, auch scheinbar unspezifische, wiederkehrende oder anhaltende Beschwerden ernst zu nehmen. Typische Symptome sind – insbesondere bei Frauen über 50 Jahren – ein anhaltendes Völlegefühl, Blähungen, Bauchschmerzen sowie häufiges Wasserlassen. Bei entsprechenden Anzeichen sollte frühzeitig die hausärztliche oder eine gynäkologische Praxis aufgesucht werden.(10) 

Zeichnung einer Glühbirne

Mehr über die therapeutischen Möglichkeiten erfahren Sie im Blog Säulen der Eierstockkrebs-Behandlung

Vorsorge gegen Krebs: Eine Patientin bei ihrer Frauenärztin

Angebote der Krankenkassen

Auch wenn es für Gebärmutter- und Eierstockkrebs derzeit keine spezifischen Früherkennungsprogramme gibt, stehen Vorsorgemöglichkeiten zur Verfügung. Im Rahmen des gesetzlichen Krebsfrüherkennungsprogramms übernehmen die Krankenkassen die Kosten für bestimmte Untersuchungen bei Frauen, die helfen können, krankhafte Veränderungen frühzeitig zu erkennen:(11)

  • 20 bis 34 Jahre: jährliche Genitaluntersuchung zur Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs
  • ab 30 Jahren: jährliche Brustuntersuchung
  • ab 35 Jahren: Genitaluntersuchung alle drei Jahre
  • 50 bis 75 Jahre: Mammografie-Screening alle zwei Jahre

Bei einer erblichen Veranlagung ist das Krebsrisiko erhöht, sodass in diesen Fällen engmaschigere Vorsorgeuntersuchungen sinnvoll sein können. Betroffene sollten sich hierzu individuell in ihrer gynäkologischen Praxis beraten lassen.

Wenn Sie mehr über Fortschritte in der gynäkologischen Onkologie oder über mögliche Vorsorgemaßnahmen erfahren möchten, unterstützt Sie unser Patient*innenserviceteam gern.

📞 Telefon: 0800 2030040

✉️ E-Mail: support@halt-bei-krebs.de

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