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Kann Komplementärmedizin helfen?
Das Multiple Myelom ist derzeit noch nicht heilbar, es gibt jedoch einige medizinische Behandlungsmöglichkeiten, die die Lebensqualität der Betroffenen verbessern können. Viele Patient*innen suchen darüber hinaus nach begleitenden komplementären Methoden, um den Körper zusätzlich zu unterstützen. Doch welche dieser ergänzenden Ansätze sind hilfreich, und was muss dabei beachtet werden?
Was ist Komplementärmedizin?
Die Komplementärmedizin umfasst Methoden, die zusätzlich zur medizinischen Krebstherapie eingesetzt werden können. Ziel ist es, Nebenwirkungen und Beschwerden wie Müdigkeit, Schlafprobleme, Nervenschäden, Stress oder psychische Belastungen im Zusammenhang mit der Erkrankung zu lindern und dadurch die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern. Wichtig: Während sogenannte alternative Therapien anstelle der schulmedizinischen Behandlung genutzt werden, wird die Komplementärmedizin ergänzend zur wissenschaftlich fundierten Medizin eingesetzt.(1)
Viele Patient*innen haben das Bedürfnis, ihren Körper im Kampf gegen die Erkrankung zu unterstützen, also zusätzlich zu ihrer konventionellen Therapie etwas für sich zu tun. Aus diesem Grund nutzt etwa die Hälfte der Betroffenen ergänzende Behandlungsmethoden. Um bei der Auswahl solcher Angebote Orientierung zu geben, hat das Leitlinienprogramm Onkologie die S3-Leitlinie Komplementärmedizin veröffentlicht. Diese Leitlinie soll Ärzt*innen, Fachpersonal und Patient*innen evidenzbasierte Empfehlungen für Therapieentscheidungen geben. Die Empfehlungen gelten sowohl während als auch nach der Krebstherapie für den ambulanten wie auch für den stationären Bereich.(2) (3)
Es gibt jedoch auch komplementäre Behandlungsmethoden, die Risiken bergen, schaden können und gefährliche Nebenwirkungen verursachen. Riskant sind beispielsweise Verfahren, die – je nach Anwendungsform oder persönlichen Voraussetzungen – Wechselwirkungen mit Medikamenten der Krebstherapie haben oder für bestimmte Personengruppen problematisch sind, etwa für Allergiker*innen oder Menschen mit eingeschränkter Leberfunktion. Wenn Sie über komplementäre Verfahren nachdenken, sollten Sie sich deshalb vor der Behandlung ausführlich über die jeweilige Methode informieren.(1)
Wenn Sie komplementäre Methoden ausprobieren möchten, sollten Sie vorher unbedingt mit Ihrem Behandlungsteam sprechen und gemeinsam den Nutzen der betreffenden Therapien gegen mögliche Risiken abwägen.
Welche Methoden gibt es?
Es gibt viele verschiedene Methoden in der Komplementärmedizin, die sich grob in vier Bereiche einteilen lassen:
- Medizinische Verfahren
Dazu zählen zum Beispiel Akupunktur, Homöopathie und klassische Naturheilverfahren. Diese Methoden stammen häufig aus dem Bereich der traditionellen Heilkunde und sollen die körpereigenen Heilungsprozesse
unterstützen.(2) - Mind-Body-Verfahren
Hierbei geht es um das Zusammenspiel von Körper und Psyche. Typische Beispiele sind Yoga, Meditation oder die sogenannte Mindfulness-based Stress Reduction (achtsamkeitsbasierte Stressreduktion, kurz: MBSR). Letztere vermittelt Strategien zur Stressbewältigung und Entspannung. Ziel ist, durch Achtsamkeit das eigene Leben nachhaltig positiv zu verändern.(2) - Manipulative Körpertherapien
Zu diesen gehören zum Beispiel Osteopathie, Chirotherapie, Reflextherapie,
Massagen und Bewegungstherapie. Durch gezielte Handgriffe oder Bewegungen sollen Schmerzen gelindert und die Beweglichkeit verbessert werden. Auch passive Therapieformen wie die Hyperthermie oder Methoden ohne Berührung, sogenannte Bioenergiefeldtherapien, werden diesem Bereich zugeordnet.(2) - Biologische Therapien
Hierunter fallen unter anderem die Zufuhr von Vitaminen und bestimmten Mineralstoffen wie Selen und Zink, besondere Ernährungsformen wie die ketogene Diät sowie die Anwendung verschiedener Heilpflanzen.(2)
Was kann beim Multiplem Myelom unterstützen?
Das Multiple Myelom und seine Therapie gehen mit belastenden Symptomen einher, insbesondere mit Fatigue, Polyneuropathie und Knochenschmerzen. Um diese Symptome zu lindern, empfiehlt die Patient*innenleitlinie bestimmte unterstützende Methoden.
Fatigue beschreibt eine ausgeprägte Erschöpfung und Müdigkeit, die auch durch ausreichend Schlaf und Ruhephasen nicht verschwindet. Sie kann die Lebensqualität stark beeinträchtigen. Empfohlen werden hier körperliche Aktivität, Yoga sowie Tai-Chi oder Qigong. Deren sanfte Bewegungsformen kombinieren meditative Elemente mit bewusster Atmung und können helfen, das Wohlbefinden zu verbessern und die Fatigue zu verringern.
Die Polyneuropathie, eine Nervenschädigung, die unter anderem durch Krebsmedikamente verursacht werden kann, ist ein häufiges Symptom beim Multiplen Myelom. Hier werden keine komplementären Methoden empfohlen. Insbesondere von der Einnahme von Vitamin E und Carnitin wird abgeraten.
Auch bei Knochenschmerzen ist Vorsicht geboten. Da die Knochen durch die Erkrankung meist sehr instabil sind, sollten Massagen, Osteopathie und ähnliche Methoden vermieden werden. Schon geringe Krafteinwirkung kann in manchen Fällen zu Brüchen führen. Deshalb ist es wichtig, sich bei entsprechenden Beschwerden immer an das Behandlungsteam zu wenden, um gemeinsam Vorteile und Risiken komplementärer Therapieformen abzuwägen.(2)
Wie Sie Ihren Körper zusätzlich durch eine gesunde Lebensweise unterstützen können, erfahren Sie im Blogbeitrag "Welche Rolle spielt die Ernährung?"
Selbst aktiv werden
Komplementäre Methoden gehören nicht zur Standardbehandlung bei Krebserkrankungen. Ihre Wirksamkeit und Sicherheit sind häufig nicht oder nur unzureichend wissenschaftlich belegt. Daher ist oft unklar, ob beziehungsweise in welchem Maß sie tatsächlich bei einer Krebserkrankung helfen können. Wenn Sie Ihre Krebstherapie unterstützen und Ihr Wohlbefinden fördern möchten, orientieren Sie sich also am besten an gut untersuchten komplementären Methoden. Diese können helfen, Beschwerden zu lindern und die Lebensqualität zu verbessern. Besonders die sogenannten Mind-Body-Verfahren gelten als hilfreich, da ihr Nutzen als relativ wahrscheinlich und ihr Risiko als relativ gering eingeschätzt wird. Besprechen Sie mit Ihrem Behandlungsteam, welche Methode für Sie geeignet ist.(1)
Weil die Vielzahl an Methoden und Möglichkeiten schnell überfordernd sein kann, steht Ihnen unser Patient*innenserviceteam bei Fragen gerne zur Seite. Ob Sie sich über einzelne Methoden informieren, Risiken verstehen oder sich auf Ihr nächstes Arztgespräch vorbereiten möchten – wir hören zu und unterstützen Sie.
📞 Telefonisch erreichen Sie uns unter 0800 2030040 – oder
✉️schreiben Sie eine E-Mail an support@halt-bei-krebs.de.
Quellen:
- https://www.krebsinformationsdienst.de/komplementaere-und-alternative-krebsmedizin (abgerufen am: 29.10.2025)
- https://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/leitlinien/komplementaermedizin (abgerufen am: 29.10.2025)
- https://myelom.online/multiples-myelom-informationsmaterial/medizin/komplementärmedizin/ (abgerufen am: 29.10.2025)
NP-DE-BLM-WCNT-250018; 11/25