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Leitlinie zur Myelofibrose
Die Myelofibrose ist eine seltene, bösartige, chronische Erkrankung des Knochenmarks. Die Onkopedia-Leitlinie zur Myelofibrose bietet Empfehlungen zur Diagnose und Therapie dieser Erkrankung. Sie wurde nun erstmals seit vier Jahren inhaltlich überarbeitet. Die wichtigsten Änderungen und Neuerungen haben wir für Sie zusammengefasst.(1), (2)
Was beinhaltet die Leitlinie?
Die Onkopedia-Leitlinien sind Leitlinien zur Diagnostik und Therapie von Blut- und Krebserkrankungen. Sie werden auf Onkopedia veröffentlicht, einem Online-Portal der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie (DGHO) und ihrer Partner aus Österreich und der Schweiz, und bieten Ärzt*innen einen Leitfaden für die bestmögliche Diagnose und die Therapie ihrer Patient*innen.(1), (3)
Nach vier Jahren wurde die Leitlinie zur Myelofibrose von führenden Expert*innen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz nun umfassend überarbeitet. Durch die inhaltlichen Anpassungen konnten Fortschritte in der Diagnostik, weitere Therapieoptionen und aktualisierte Empfehlungen zur Risikobewertung aufgenommen werden. Eine weitere Veränderung ist ein neuer Behandlungsalgorithmus, der nun alle zugelassenen medikamentösen Optionen (JAK-Inhibitoren) berücksichtigt. Zusätzlich wurde die Anämie erstmals als entscheidender Faktor für die Therapieauswahl in den Algorithmus eingearbeitet, denn sie beeinflusst die Prognose, den Behandlungsverlauf und die Lebensqualität der Betroffenen oft stark.(1), (3)
Weitere grundlegende Informationen zur Erkrankung finden Sie im Blogartikel „Was bei Myelofibrose zu beachten ist“
JAK-Inhibitoren
Bei einer Myelofibrose vermehrt sich das Bindegewebe im Knochenmark so stark, dass die normale Blutbildung gestört wird. Der sogenannte JAK-STAT-Signalweg, bei dem das Enzym Januskinase 2 (JAK2) eine zentrale Rolle spielt, ist überaktiviert. Diese Überaktivierung führt dazu, dass Zellen sich unkontrolliert vermehren, Entzündungsmarker produziert werden und die Vernarbung des Knochenmarks voranschreitet. Die Folgen sind Blutarmut, eine vergrößerte Milz sowie Beschwerden wie Knochenschmerzen, Juckreiz, Nachtschweiß und Abgeschlagenheit. Ziel vieler Therapien ist daher die Hemmung des sogenannten JAK-STAT-Signalwegs, um die Symptome zu lindern, die Milz wieder zu verkleinern und das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen.(2), (4)
Durch die Einführung der JAK-Inhibitoren wurde in den vergangenen Jahren ein großer Fortschritt für Patient*innen mit Myelofibrose erzielt. In der Europäischen Union sind derzeit drei verschiedene JAK-Inhibitoren zur Behandlung von Myelofibrose zugelassen: Ruxolitinib, Fedratinib und Momelotinib. Alle Medikamente hemmen das JAK2-Enzym, unterscheiden sich jedoch in ihren weiteren inhibitorischen Effekten. Deshalb werden sie auf Basis individueller Eigenschaften der Patient*innen eingesetzt. Im Video „Behandlung mit JAK-Inhibitoren bei Myelofibrose“ finden Sie weiterführende Informationen zu diesen Therapien, unter anderem zu möglichen Nebenwirkungen und zum typischen Behandlungsablauf.(4)
Die Therapie mit JAK-Inhibitoren verfolgt mehrere Ziele:
- Eine typische Begleiterscheinung der Myelofibrose ist eine vergrößerte Milz. JAK-Inhibitoren sollen die Milz verkleinern, um Beschwerden zu lindern.(4)
- Auch andere Symptome wie Knochenschmerzen, Abgeschlagenheit oder Nachtschweiß sollen sich durch die Behandlung verbessern.(4)
- Insgesamt soll die Lebensqualität der Betroffenen verbessert und die Lebensdauer durch die Verlangsamung des Voranschreitens der Erkrankung verlängert werden.(4)
Um zu entscheiden, ob ein JAK-Inhibitor die geeignete Therapie ist, die Erkrankung nur beobachtet werden muss oder eine allogene Stammzelltransplantation angezeigt ist, wird in der Leitlinie bei Diagnose einer Myelofibrose eine gründliche genetische Untersuchung empfohlen, um Hochrisikomutationen und die JAK2-Allel-Last (Anteil des mutierten JAK2-Gens im Verhältnis zur Gesamtmenge des Gens) zu bestimmen. Es wird empfohlen, den mutationsbasierten MIPSSv2-Risikoscore zur Risikoabschätzung für Patient*innen mit primärer Myelofibrose zu nutzen. Bei den Risikoscores werden unterschiedliche Risikofaktoren wie Alter, Anämie, Symptome oder genetische Veränderungen in Punkte umgerechnet, und die Erkrankung wird in eine von mehreren Risikogruppen eingeordnet. Diese Scores helfen Ärzt*innen dabei, das individuelle Risiko der Patient*innen besser einzuschätzen und die Therapie optimal auf die betreffende Person abzustimmen. In der aktualisierten Leitlinie wird nun außerdem eine regelmäßige und standardisierte Erhebung der Symptomlast empfohlen. Art und Schwere der vorliegenden Symptome sollen also mithilfe von geprüften und zuverlässigen Fragebogen wie zum Beispiel dem MPN-SAF TSS oder dem MPN10 bei der Diagnose und im späteren Verlauf immer wieder festgehalten werden.(1)
Ein weiterer wichtiger Punkt, der neu in die Leitlinie aufgenommen wurde, ist, dass durch Anwendung des sogenannten RR6-Prognosemodells oder anderer definierter klinischer Kriterien das Versagen einer Ruxolitinib-Therapie frühzeitig erkannt werden soll. Ruxolitinib ist ein JAK-Inhibitor. Bei vielen Patient*innen kann diese Therapie über mehrere Jahre erfolgen, bei einigen versagt sie aber bereits frühzeitig. Das RR6-Prognosemodell kann dabei helfen, ein Versagen der Therapie zu erkennen. Es wird genutzt, um die Überlebenswahrscheinlichkeit von Patient*innen unter fortgesetzter Therapie vorherzusagen. Mithilfe des Modells wird der Erfolg der Therapie nach sechs Monaten anhand von verschiedenen Faktoren (z. B. Milzgröße und Medikamentendosis) bewertet. Da mittlerweile mehrere Therapieoptionen verfügbar sind, ist bei Bedarf ein Wechsel zu einer anderen Substanz möglich.(1)
Wenn Sie weitere Informationen über die neue Leitlinie zur Myelofibrose wünschen, steht Ihnen unser Patient*innenserviceteam gerne zur Seite. Ob Sie sich über einzelne Punkte informieren möchten oder andere Unklarheiten bestehen – wir hören zu und unterstützen Sie.
📞 Telefonisch erreichen Sie uns unter 0800 4030020.
✉️ Oder schreiben Sie eine E-Mail an myelofibrose@halt-bei-krebs.de.
Spezialisierte Zentren finden
Die Myelofibrose ist eine komplexe Erkrankung, die mit circa 800 Neudiagnosen pro Jahr zu den seltenen Formen von Blutkrebs zählt. Umso wichtiger ist es, geeignete Fachärzte oder -ärztinnen zu finden, die Betroffene in dieser Zeit bestmöglich unterstützen. In Deutschland gibt es Schwerpunkteinrichtungen und onkologische Zentren, die sich auf diese Art von Erkrankungen spezialisiert haben.(5)
Zuständig sind in diesen Fällen Fachärzte und Fachärztinnen für Hämatologie. Sie sind spezialisiert auf Erkrankungen des Blutes und der blutbildenden Organe (dazu zählt z. B. das Knochenmark). Bei einer zusätzlichen Spezialisierung auf Blutkrebs und verwandte Erkrankungen spricht man von Hämatoonkolog*innen. Ihr Fokus liegt auf Erkrankungen wie Anämie, Gerinnungsstörungen, Blutkrebs und Myelofibrose.(6)
In der sogenannten OncoMap finden Sie eine Liste zertifizierter Krebszentren. Über verschiedene Filter (Bundesland, Erkrankung) können Sie sich einen Überblick über das Angebot verschaffen. Die Myelofibrose finden Sie bei den hämatologischen Neoplasien, da sie zu den bösartigen Erkrankungen des Blutes und des lymphatischen Systems gehört.(7)
Die Behandlungsoptionen bei Myelofibrose werden kontinuierlich weiterentwickelt. Durch die inhaltlichen Anpassungen konnten Fortschritte in der Diagnostik, weitere Therapieoptionen und neue Instrumente der Risikobewertung aufgenommen werden. Die Leitlinie zur Myelofibrose bietet nun wieder einen aktualisierten Leitfaden für Ärzte und Ärztinnen.
Quellen:
- https://www.onkopedia.com/de/onkopedia/guidelines/myelofibrose/@
@guideline/html/index.html (abgerufen am: 08.12.2025) - https://selpers.com/myelofibrose/myelofibrose-behandeln/ (abgerufen am: 08.12.2025)
- https://www.onkopedia.com/de/news/onkopedia-leitlinie-zur-myelofibrose-aktualisiert (abgerufen am: 08.12.2025)
- https://selpers.com/myelofibrose/myelofibrose-behandeln-behandlung-mit-jak-inhibitoren/ (abgerufen am: 08.12.2025)
- https://iuvando.de/myelofibrose/ (abgerufen am: 08.12.2025)
- https://selpers.com/myelofibrose/myelofibrose-verstehen-arztgespraech/ (abgerufen am: 08.12.2025)
- https://www.oncomap.de/centers?selectedCenterMode=1&selectedCenterId=1616&showMap=1 (abgerufen am: 08.12.2025)
NP-DE-ON-WCNT-250057; 12/25