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Laborwerte beim Multiplen Myelom
Das Multiple Myelom ist eine Erkrankung des Knochenmarks, bei der sich Plasmazellen bösartig verändern. Während und nach der Diagnose folgen zahlreiche Tests, um die Betroffenen bestmöglich behandeln zu können. Vielen Patient*innen ist jedoch nicht klar, was die einzelnen Laborwerte aussagen und welche Bedeutung sie haben.(1)
Multiples Myelom: Welche Laborwerte wichtig sind
Beim Multiplen Myelom spielen viele verschiedene Werte eine wichtige Rolle. Diese müssen von Expert*innen interpretiert und in einen Zusammenhang gebracht werden.
Doch welche Laborwerte und Untersuchungsverfahren sollten auch Betroffene kennen? Im Folgenden finden Sie einen Überblick(2):
- M-Protein: Beim Multiplen Myelom produzieren die veränderten Plasmazellen im Gegensatz zu gesunden Plasmazellen nicht funktionsfähige Antikörper, sogenannte M-Proteine. Durch spezielle Tests kann die Menge dieser monoklonalen Proteine im Blut festgestellt werden. Ein erhöhter Wert deutet darauf hin, dass die krankhaften Plasmazellen aktiv sind. Sinkende Werte sprechen hingegen dafür, dass die aktuelle Therapie Wirkung zeigt.(2)
- Immunglobuline: Diese werden in verschiedene Klassen eingeteilt: IgG, IgA und IgM. Beim Multiplen Myelom ist in den meisten Fällen der Wert einer dieser Klassen deutlich erhöht, häufig IgG oder IgA. Die Bestimmung dient dazu, festzustellen, ob die Erhöhung auf die Produktion eines einzelnen fehlerhaften Antikörpers zurückzuführen ist – was für ein Multiples Myelom spricht – oder ob mehrere unterschiedliche Antikörper vermehrt gebildet werden. Letzteres deutet eher auf eine andere Ursache hin. Ist hingegen der IgM-Wert erhöht, kann auch eine mit dem Multiplen Myelom verwandte Erkrankung vorliegen.(2)
- Freie Leichtketten: Diese Antikörper werden beim Multiplen Myelom häufig im Überschuss produziert. Besonders relevant ist das Verhältnis von Kappa- zu Lambda-Leichtketten, da ein Ungleichgewicht auf ein Multiples Myelom hinweisen kann. Leichtketten werden über die Nieren ausgeschieden und können daher auch im Urin nachgewiesen werden.(2)
Mögliche Untersuchungsverfahren:
- Eiweißelektrophorese: Bei dieser Untersuchung werden die im Blutserum enthaltenen Eiweiße aufgetrennt, sodass die einzelnen Immunglobulinfraktionen getrennt sichtbar werden. Ein deutlicher Ausschlag der Kurve kann auf das Vorhandensein eines M-Proteins hinweisen.(2)
- Immunfixation: Diese Methode dient dazu, die genaue Art der M-Proteine zu bestimmen. Die Immunfixation kann sowohl mit Blutserum als auch mit Urin durchgeführt werden und kann das Vorhandensein von M-Proteinen und freien Leichtketten bestätigen.(2)
Im Blogbeitrag „Fragen zum Multiplen Myelom klären“ erhalten Sie weitere Informationen, unter anderem zu möglichen Befunden beim Multiplen Myelom. In verschiedenen Videos erfahren Sie mehr zu den Themen Blutbild, Laborwerte, Verlaufskontrollen und Nachsorge
Das Blutbild verstehen: großes und kleines Blutbild
Die bösartig veränderten Plasmazellen beginnen sich beim Multiplen Myelom unkontrolliert zu vermehren und stören die Produktion gesunder Blutzellen. In der Folge kann es zu einem Mangel an roten und weißen Blutkörperchen kommen. Deshalb spielen Blutuntersuchungen eine zentrale Rolle bei der Diagnose der Erkrankung und bei der Verlaufskontrolle.(1)
Unter „Laborwerten“ versteht man die Ergebnisse einer Untersuchung verschiedener Körpersubstanzen wie Blut, Urin oder Gewebe insgesamt. Die „Blutwerte“ sind ein Teil der Laborwerte, denn hier geht es ausschließlich um die Analyse von Blut. Hierfür wird in der Regel ein Blutbild erstellt, wobei zwischen einem kleinen und einem großen Blutbild unterschieden wird.(2), (3)
Beim kleinen Blutbild wird unter anderem der Hämoglobin-Wert, die Konzentration des roten Blutfarbstoffs, bestimmt. Ist der Wert zu niedrig, liegt eine Anämie (Blutarmut) vor. Zudem wird der Volumenanteil der festen Blutbestandteile, hauptsächlich der roten Blutkörperchen, am gesamten Blutvolumen gemessen (Hämatokrit-Wert). Dieser Wert wird in Prozent angegeben. Außerdem wird die Anzahl der Blutkörperchen bestimmt:
- Weiße Blutkörperchen (Leukozyten) gelten als Indikator für die Funktionsfähigkeit der Immunabwehr.
- Rote Blutkörperchen (Erythrozyten) sind für den Sauerstofftransport verantwortlich.
- Blutplättchen (Thrombozyten) sind für die Blutgerinnung zuständig.(2), (3)
Großes Blutbild
Beim großen Blutbild werden zusätzlich die Untergruppen der weißen Blutkörperchen (Leukozyten) genauer bestimmt.(2), (3)
- Eosinophile Granulozyten (EOS): Zuständig für die Abwehr von Parasiten. Erhöhte Werte finden sich häufig bei allergischen Erkrankungen, Parasitenbefall oder auch beim Hodgkin-Lymphom.
- Basophile Granulozyten (BASO): Ebenfalls an der Parasitenabwehr beteiligt.
- Segmentkernige neutrophile Granulozyten (SEG): Zentrale Zellen zur Abwehr von Bakterien.
- Stabkernige neutrophile Granulozyten (STAB): Vorstufe der segmentkernigen Neutrophilen, die Hinweise auf bakterielle Infektionen gibt.
- Monozyten: Vorstufe der sogenannten Fresszellen; erhöhte Werte treten unter anderem bei Infektionen und Autoimmunerkrankungen auf.
- Lymphozyten: Spezialisierte Zellen zur Abwehr von Krankheitserregern; erhöhte Werte finden sich beispielsweise bei viralen Infektionen, Leukämie oder Autoimmunkrankheiten.
Was bedeutet „Minimale Resterkrankung (MRD)“ beim Multiplen Myelom?
Der Begriff „Minimale Resterkrankung (MRD)“ taucht im Zusammenhang mit Blutkrebserkrankungen häufig auf und ist wichtig für die Behandlung. MRD bezeichnet eine sehr geringe Menge an Krebszellen, die nach einer Behandlung im Körper verbleibt. Diese Zellen befinden sich im Blut oder im Knochenmark, können sich vermehren und einen Rückfall auslösen. Man unterscheidet zwischen MRD-Positivität und MRD-Negativität:
MRD-positiv bedeutet, dass noch eine minimale, messbare Resterkrankung vorhanden ist. MRD-negativ bedeutet, dass keine Krebszellen mehr mithilfe von Durchflusszytometrie oder Sequenzierung nachgewiesen werden können.(4), (5)
Die MRD ist bei vielen Blutkrebsarten relevant. Wird beispielsweise eine MRD-Negativität gleich nach dem Abschluss einer Ersttherapie erreicht, deutet dies auf eine günstige Prognose hin. Auch nach einer Stammzelltransplantation wird mithilfe des MRD-Status die Wirksamkeit der Behandlung beurteilt. Darüber hinaus kann der MRD-Status in weitere Therapieentscheidungen einbezogen werden. Das Multiple Myelom gilt nach aktuellem Stand jedoch als nicht heilbar. Bei den meisten Betroffenen bleibt daher eine minimale Resterkrankung nachweisbar – selbst bei erfolgreicher Therapie. Aus diesem Grund ist die MRD-Bestimmung derzeit kein Standard in der Diagnostik, da das Ergebnis keinen direkten Einfluss auf die Therapieentscheidung hat.(4), (5)
In Folge 4 des Video-Podcasts „Zurück zu dir“ berichtet Onko-Coach Nicole Semmler-Lins, wie sie Patient*innen dabei unterstützt, Verantwortung für ihren eigenen Weg mit dem Multiplen Myelom zu übernehmen – ohne sie dabei allein zu lassen.
Abstimmung mit dem Behandlungsteam
Aus Labor- und Blutwerten allein lassen sich nicht immer klare Urteile ableiten. Aber sie geben Hinweise, die es ermöglichen, den Verlauf von Erkrankungen genauer zu beobachten, Therapien anzupassen und Veränderungen frühzeitig zu erkennen. Es ist hilfreich, wenn Patient*innen ihre Befunde besser verstehen, um im Gespräch mit der zuständigen Ärztin oder dem zuständigen Arzt gezielt nachfragen zu können. Zudem vermittelt es vielen ein größeres Sicherheitsgefühl, wenn sie nachvollziehen können, was im eigenen Körper passiert.
Auffällige Blutwerte können unterschiedliche Ursachen haben, und Laborwerte können generell je nach Labor leicht variieren. Deshalb sollten Betroffene die Ergebnisse immer mit ihrer Ärztin oder ihrem Arzt besprechen.
Wenn Sie Fragen zu einzelnen Laborwerten haben oder Unterstützung für das nächste Gespräch mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt wünschen, steht Ihnen unser Patient*innenserviceteam gern zur Verfügung.
📞 Telefon: 0800 6070080
✉️ E-Mail: service@mm-mutmacher.de
Quellen:
- https://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/patientenleitlinien/multiples-myelom (abgerufen am: 19.02.2026)
- https://iuvando.de/blutwerte-beim-multiplen-myelom-was-ihnen-blutbild-eiweisselektrophorese-und-co-sagen/ (abgerufen am: 19.02.2026)
- https://selpers.com/lektion/multiples-myelom-verstehen-laborwerte-befunde/ (abgerufen am: 19.02.2026)
- https://selpers.com/lektion/minimale-resterkrankung-bei-blutkrebs-was-bedeutet-mrd/ (abgerufen am: 19.02.2026)
- https://selpers.com/lektion/minimale-resterkrankung-bei-blutkrebs-mrd-bei-verschiedenen-blutkrebsarten/ (abgerufen am: 19.02.2026)
NP-DE-ON-WCNT-260003; 03/26