Zum Seitenanfang springen
Lebensplanung mit Multiplem Myelom
Die Diagnose Multiples Myelom stellt das Leben der Betroffenen auf den Kopf. Die Krebserkrankung ist nicht heilbar, lässt sich jedoch häufig über viele Jahre kontrollieren. Dennoch stellt sich früher oder später die Frage, wie die womöglich begrenzte Zeit bewusst und selbstbestimmt gestaltet werden kann.(1)
Die Angst vor dem Tod bei einer Krebserkrankung
Auch wenn der Tod untrennbar zu jedem Leben gehört, gehen die meisten Menschen davon aus, noch viel Zeit vor sich zu haben. Die Diagnose einer nicht heilbaren Krebserkrankung ist deshalb für viele erst mal ein Schock. Zukunftspläne verlieren an Bedeutung, das Gefühl von Sicherheit gerät ins Wanken. Häufig treten Gefühle wie Trauer, Wut und Angst gleichzeitig auf. Fragen wie „Wie geht es weiter?“, „Warum trifft es ausgerechnet mich?“ oder „Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?“ beschäftigen viele Betroffene in dieser Situation. Diese Gedanken und die damit verbundenen Gefühle sind normal und können sich im Laufe der Zeit verändern.
Es gibt zahlreiche Anlaufstellen, die Unterstützung in dieser belastenden Phase bieten können. Auch Gespräche mit Freund*innen und Familienmitgliedern können entlastend sein und Halt geben. Darüber hinaus kann es hilfreich sein, sich an Personen zu wenden, die Erfahrung mit vergleichbaren Situationen haben und Betroffene professionell begleiten. Genau hier setzt die Psychoonkologie an: Sie beschäftigt sich mit den psychosozialen Aspekten einer Krebserkrankung und bündelt Erkenntnisse aus Medizin, Psychologie, Soziologie und Pädagogik. Psychoonkolog*innen unterstützen Betroffene dabei, mit den vielfältigen Folgen der Krankheit besser umzugehen. Sie begleiten bei emotionalen Herausforderungen, beraten aber auch zu Themen wie dem Wiedereinstieg in den Beruf oder sozialrechtlichen Fragen. Dieses Angebot richtet sich auch an Angehörige.(2)
In der Broschüre „Das Multiple Myelom – Hand in Hand mit der Angst“ finden Sie Informationen zum Umgang mit belastenden Gefühlen im Rahmen einer Krebserkrankung.
Studien zeigen, dass bis zu 60 Prozent der Menschen mit einer Krebserkrankung unter einer hohen seelischen Belastung leiden. Diese kann sich auf unterschiedliche Weise äußern. Fast die Hälfte der Erkrankten berichtet von ausgeprägten Ängsten, insbesondere vor einem Rezidiv oder dem Fortschreiten der Erkrankung. Depressive Verstimmungen und Niedergeschlagenheit treten bei mehr als jeder zweiten betroffenen Person auf. Umso wichtiger ist es, die eigenen Sorgen bewusst wahrzunehmen und individuelle Wege im Umgang damit zu finden.(2)
Es ist vollkommen in Ordnung, wenn Sie sich zunächst nicht mit dem Thema Tod und Sterben beschäftigen möchten. Sie bestimmen selbst, wann, wo und mit wem Sie über Ihre Gedanken und Ängste sprechen. Wenn Sie Fragen haben oder ein Gespräch mit einer neutralen Person wünschen, unterstützt Sie unser Patient*innenserviceteam gerne. Wir hören zu und begleiten Sie.
📞 Telefon: 0800 6070080
✉️ E-Mail: service@mm-mutmacher.de
Vorsorge und Planung beim Multiplen Myelom
Früher oder später setzt sich jeder Mensch mit dem eigenen Lebensende auseinander. Eine frühzeitige Beschäftigung mit diesem nicht einfachen Thema kann helfen, auch die letzte Lebensphase so selbstbestimmt wie möglich zu gestalten. Dabei geht es vor allem darum, persönliche Wünsche und Bedürfnisse zu reflektieren und schriftlich festzuhalten. Zu den wichtigsten Schritten zählt das Erstellen einer Patientenverfügung und das Verfassen eines Testaments. Auch wenn diese Aufgaben zunächst unangenehm erscheinen, geben sie Orientierung und entlasten alle Beteiligten. Folgende Aspekte können dabei hilfreich sein:(3)
Wichtige Wünsche verschriftlichen
Beginnen Sie frühzeitig damit, Ihre Vorstellungen für die letzte Lebensphase festzuhalten. Dazu gehören Fragen wie: Wie möchte ich bestattet werden? Wo möchte ich meine letzten Tage verbringen? Was ist mir in dieser Zeit besonders wichtig?
Der gesundheitliche Zustand jedes Menschen, insbesondere aber der von schwer und unheilbar Erkrankten, kann sich jederzeit verändern. Es kann sein, dass man in diesem Fall nicht mehr selbst über wichtige Fragen entscheiden kann. Kümmern Sie sich deshalb frühzeitig um eine Patientenverfügung. Darin können Sie festlegen, welche medizinischen Maßnahmen Sie unter welchen Bedingungen wünschen oder ablehnen. Auch ein Testament sowie Regelungen zum digitalen Nachlass gehören zu diesen
Vorbereitungen.(3)
Beratung in Anspruch nehmen
Oft werden Palliativmediziner*innen schon früh in den Behandlungsprozess einbezogen. Das heißt nicht, dass der Tod der Erkrankten unmittelbar bevorsteht, sondern dient vor allem der Verbesserung der Lebensqualität. Körperliche und psychische Beschwerden sollen frühzeitig erkannt und gelindert werden.(1) Lassen Sie sich ausführlich zu den verschiedenen Optionen beraten, etwa zu Therapien, Pflegemaßnahmen und komplementären (ergänzenden) Methoden zur Linderung von Beschwerden.
In unserem Video-Podcast „Rezidiv? – Mit kleinen Schritten zurück in den Alltag!“ spricht der Betroffene Klaus darüber, wie er nach mehreren Rückfällen Schritt für Schritt zurück in seinen Alltag gefunden hat.
Wie gestalte ich mein Leben mit Multiplem Myelom?
Die Behandlungsmöglichkeiten für Menschen mit Multiplem Myelom haben sich in den vergangenen Jahren deutlich verbessert. Mit modernen Therapien lässt sich die Erkrankung oft über längere Zeit kontrollieren, sodass viele Betroffene längere Phasen mit guter Lebensqualität erleben können. Während einer sogenannten Remission treten die erkrankungsbedingten Beschwerden nicht auf, und Patient*innen mit Multiplem Myelom können oft über Jahre hinweg einen weitgehend normalen Alltag führen. Die tatsächliche Lebenserwartung hängt dabei vom individuellen Risikoprofil ab und kann stark variieren.(1)
Für das Ziel, das Leben und die Möglichkeiten von Menschen mit Multiplem Myelom zu verbessern, spielt auch die Aufklärung eine wichtige Rolle. Die jährlich im März stattfindende Awareness-Kampagne „Myeloma Action Month“ soll das Bewusstsein für diese Krebserkrankung schärfen. Durch ihren Fokus auf Zusammenarbeit und die Vertretung der Interessen von Betroffenen trägt diese Aktion dazu bei, die Öffentlichkeit zu informieren und Erkrankte zu stärken – für bessere Behandlungsmethoden und Ergebnisse sowie eine Steigerung der Lebensqualität der Betroffenen.
Trotz der Fortschritte bei der Therapie des Multiplen Myeloms ist der Alltag vieler Betroffener weiterhin von belastenden Beschwerden geprägt. Besonders häufig treten Fatigue, Knochenschmerzen sowie Polyneuropathien – Gefühlsstörungen an Händen und Füßen – auf. Einige dieser Symptome lassen sich heute jedoch durch gezielte Behandlung und Prävention lindern. Auch eine individuell angepasste Ernährung kann den Körper unterstützen und lässt sich gut in den Alltag integrieren. Ein weiterer wichtiger Baustein ist eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr. Beim Multiplen Myelom sind die Nieren häufig besonders belastet. Regelmäßig genug zu trinken kann helfen, sie zu entlasten und Schäden vorzubeugen. Unterstützung bietet eine qualifizierte Ernährungsberatung, wie sie in der Regel auch in spezialisierten Krebszentren verfügbar ist.(4)
Auch das soziale Umfeld spielt eine zentrale Rolle bei der Lebensgestaltung mit Multiplem Myelom. Freunde, Freundinnen und Familienangehörige sind für viele Betroffene eine wichtige Stütze, sowohl emotional als auch bei alltäglichen Aufgaben. Nehmen Sie Unterstützung an, sei es aus dem persönlichen Umfeld oder durch professionelle Angebote. Denn so wichtig die Auseinandersetzung mit Sterben und Tod ist: Das Leben, das noch vor Ihnen liegt, sollte den größten Raum behalten und aktiv gestaltet werden.
Quellen:
- https://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/fileadmin/user_upload/Downloads/Leitlinien/
Multiples_Myelom/LL_Multiples_Myelom_Langversion_1.0.pdf (abgerufen am: 09.01.2026) - https://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/fileadmin/user_upload/Downloads/
Patientenleitlinien/Patientenleitlinie_Psychoonkologie_175v101.pdf (abgerufen am: 09.01.2026) - https://selpers.com/brustkrebs/das-lebensende-vorbereiten-rechtliches-vor-dem-lebensende/
(abgerufen am: 09.01.2026) - https://www.krebsinformationsdienst.de/multiples-myelom/leben-mit-multiplem-myelom (abgerufen am: 12.01.2026)
NP-DE-MMU-WCNT-260001; 01/26