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Ursachen von Gebärmutterkrebs

Gebärmutterkrebs (Endometriumkarzinom) gehört zu den häufigsten gynäkologischen Krebserkrankungen bei Frauen. Dennoch ist vielen nicht bekannt, welche Rolle Hormone und die genetische Veranlagung der Betroffenen spielen. Das Entstehen der Erkrankung ist häufig hormonell bedingt; genetische Risikofaktoren spielen eine geringere Rolle.(1)

Drei Generationen Frauen: Ist Gebärmutterkrebs vererbbar?

Ist das Endometriumkarzinom hormonell oder genetisch bedingt?

Für die weitere Behandlung von Gebärmutterkrebs ist entscheidend, ob es sich um einen Tumor handelt, der unter dem Einfluss von Hormonen wächst (Typ 1), oder um einen Tumor, der für sein Wachstum keine Hormone benötigt (Typ 2).(2)

Als Hauptursache für die Entstehung eines Endometriumkarzinoms gilt ein lang anhaltender Östrogenüberschuss. Dieser tritt bei Frauen vor allem in der Postmenopause auf, also in den zwölf Monaten nach der letzten Regelblutung. In dieser Zeit nimmt die Gestagenproduktion ab, während weiterhin Östrogene – insbesondere im Fettgewebe – gebildet werden. Deshalb stellt Adipositas einen weiteren Risikofaktor dar. Mit zunehmendem Körpergewicht steigt das Erkrankungsrisiko entsprechend. Erhalten Frauen in den Wechseljahren über einen langen Zeitraum eine Hormonersatztherapie mit reinen Östrogenpräparaten ohne Gestagenkomponente, steigt das Risiko ebenfalls deutlich an.(3)

Neben hormonellen Ursachen gibt es auch genetische Faktoren, die das Auftreten von Gebärmutterkrebs beeinflussen. So kann das gehäufte Auftreten von Dickdarm- oder Gebärmutterkrebs in der Familie das Erkrankungsrisiko erhöhen. Auch das Lynch-Syndrom, das im Folgenden noch genauer erläutert wird, ist mit einem erhöhten Risiko für Endometriumkarzinome verbunden. Der genetische Aspekt sollte daher insbesondere bei jungen Betroffenen oder bei familiärer Häufung von Krebs berücksichtigt werden. Liegen genetische Faktoren bei einer erkrankten Person vor, spielen sie eine große Rolle bei der Behandlung der Erkrankung.(3)

Gebärmutterkrebs: Eine Frau analysiert eine Blutprobe im Labor

Molekulare Tests bei Endometriumkarzinomen

Die molekulare Diagnostik spielt auch bei Gebärmutterkrebs eine zunehmend wichtige Rolle. Mithilfe dieser Methodik können krankheitsrelevante Veränderungen im Erbgut festgestellt werden. So lassen sich genetische Ursachen identifizieren, was wiederum Rückschlüsse auf die passende Behandlung und die Prognose ermöglicht.(1)

In der Medizin wird zwischen den sogenannten Keimbahnmutationen und den somatischen Mutationen unterschieden. Keimbahnmutationen sind Mutationen, die in allen Körperzellen vorkommen und durch die Keimzellen von Generation zu Generation weitervererbt werden. Somatische Mutationen sind dagegen Mutationen, die in Körperzellen entstehen und nur im Tumor vorkommen. Sie sind erworben und werden deshalb nicht an die Nachkommen vererbt.(1)

Das Endometriumkarzinom wird in vier verschiedene molekulare Untertypen eingeteilt:

  • POLE-mutierte Karzinome: Hier liegt eine genetische Veränderung (Mutation) vor, bei der die Zellen eine sehr hohe Mutationsrate aufweisen. Bei den sogenannten ultramutierten Karzinomen sind die Krebszellen stark entartet. Dies kommt in etwa 9 % der Fälle vor. Dieser Untertyp wird fast immer somatischen Mutationen zugewiesen, da die Mutationen im Gen spontan entstehen und nicht vererbt werden.(1)
  • MMR-Mangel: Bei diesen Tumoren besteht eine Mikrosatelliteninstabilität (MSI) der Krebszellen. Bestimmte DNA-Abschnitte (Mikrosatelliten) sind instabil, also kürzer oder länger als normal. In der Regel werden solche Mutationen durch Mismatch-Repair-Proteine (MMR) repariert. Sind diese jedoch inaktiv oder funktionell eingeschränkt, können die Schäden nicht behoben werden. In der Folge kommt es zur Mikrosatelliteninstabilität. Diese Endometriumkarzinome weisen ebenfalls eine hohe Mutationsrate auf und werden deshalb als „hypermutiert“ bezeichnet. Bei 28 % der Betroffenen wird ein MMR-Defekt nachgewiesen. Dieser Untertyp kann sowohl einen somatischen als auch einen Keimbahnursprung haben, denn bei einem Teil der Betroffenen liegt eine vererbte Mutation (Lynch-Syndrom) vor.(1), (4)
  • p53 abnormal: p53-Mutationen (oft TP53-Mutationen genannt) sind Veränderungen im Erbgut des Gens TP53. Sie können dazu führen, dass das sehr wichtige Schutzprotein p53 im Körper nicht mehr richtig funktioniert. Dieses p53-Protein wird oft als „Wächter des Genoms“ bezeichnet. In der Folge ist das Erbgut der betroffenen Körperzellen teilweise stark verändert und kann dazu führen, dass die Erkrankung aggressiver verläuft. In den meisten Fällen ist nicht eindeutig, welche dieser Mutationen sich auf den Erkrankungsverlauf auswirken. Nur bei etwa 12 % der Frauen mit Gebärmutterkrebs ist dies bekannt, und sie werden diesem Subtyp zugeordnet. Diese Mutationen sind in der Regel somatisch.(1), (2)
  • Kein spezielles molekulares Profil: Dieses Profil liegt vor, wenn alle zuvor genannten Veränderungen nicht nachgewiesen werden können. Bei diesem Subtyp treten Veränderungen der Genkopien seltener auf als beim p53-abnormalen Typ. Die strukturellen Abweichungen im Erbgut sind weniger ausgeprägt, was in der Regel mit einer besseren Prognose verbunden ist. Zudem ist das TP53-Gen weiterhin intakt. Dieser Subtyp macht etwa 50 % der Fälle aus und ist in der Regel somatisch.(1), (2)
Symbol einer Glühbirne auf orangem Grund

Welche Behandlungsoptionen Betroffene nach Feststellung des molekularen Subtyps haben, lesen Sie im Leitfaden Gebärmutterkrebs.

Die genannten Untertypen können durch verschiedene diagnostische Methoden bestimmt werden. Eine Möglichkeit ist die histologische Untersuchung. Dabei werden Gewebeproben entnommen, in einem Labor bearbeitet und unter dem Mikroskop analysiert. So kann der Subtyp bestimmt werden, und der Krebs kann entsprechend dem Erkrankungsstadium eingestuft werden. Die zweite Methode ist die immunhistochemische Analyse, bei der die Mismatch-Repair-Proteine (MMR-Proteine) und das p53-Protein untersucht werden. Mithilfe spezieller Antikörper werden die DNA-Reparaturproteine (Eiweiße) und das p53-Protein im Gewebe und in den Zellen nachgewiesen. Die dritte Methode ist die molekularpathologische Untersuchung. Hierbei wird die DNA aus Gewebeproben oder Blut analysiert, um eine POLE-Mutation oder eine Mikrosatelliteninstabilität (MSI) nachzuweisen.(2)

Gebärmutterkrebs: Eine Blutprobe kann das genetische Risiko anzeigen

Welche Rolle spielen das Lynch- und das Cowden-Syndrom bei Gebärmutterkrebs?

Das Lynch-Syndrom erhöht das Risiko für verschiedene Tumorerkrankungen, insbesondere für Darm- und Gebärmutterkrebs. Es handelt sich um eine seltene vererbbare Erkrankung, bei der Gene verändert sind, die an den Reparatursystemen der Zelle (MMR) beteiligt sind. Betroffen sind vor allem Organe mit hoher Zellteilungsrate. Dazu gehören neben dem Darm auch die Gebärmutter, die Eierstöcke, der Magen und die Bauchspeicheldrüse. Das Syndrom ist zwar selten, doch Kinder von Betroffenen haben ein Risiko von 50 %, die Mutation zu erben. Allerdings erkranken nicht alle Personen mit Lynch-Syndrom auch an Krebs. Etwa 16 bis 54 % der Betroffenen entwickeln im Laufe ihres Lebens eine Krebserkrankung. Aus diesem Grund werden Menschen, in deren Familie das Syndrom vorkommt, intensiv und regelmäßig überwacht.(1), (5), (6)

Wenn Krebserkrankungen in einer Familie gehäuft auftreten oder bei einer betroffenen Person bestimmte Marker festgestellt werden, kann ein Lynch-Syndrom vermutet werden. In diesem Fall sollten Familienangehörige sich genetisch untersuchen lassen. Mithilfe von Blutproben können genetische Veränderungen nachgewiesen und damit auch Aussagen über die Vererbbarkeit getroffen werden. Bei Gebärmutterkrebs kann insbesondere das Vorliegen des Untertyps „MMR-Mangel“ beziehungsweise einer MSI ein Hinweis auf das Lynch-Syndrom sein. Auch die sogenannten Amsterdam-II-Kriterien werden zur klinischen Einschätzung herangezogen: Nur wenn alle der folgenden vier Kriterien erfüllt sind, gilt der Verdacht als klinisch begründet(5), (6):

  1. Es gibt mindestens drei Familienangehörige mit vererbten Tumoren im Darm, im Endometrium, im Magen, in den Eierstöcken, der Bauchspeicheldrüse, in Harnleiter oder Nierenbecken, im Gallengang, im Dünndarm, im Gehirn, in Talgdrüsen oder der Haut.
  2. Die Erkrankungen traten in mindestens zwei aufeinanderfolgenden Generationen auf.
  3. Mindestens eine Person erhielt die Diagnose eines Karzinoms bereits vor dem 50. Lebensjahr.
  4. Eine familiäre adenomatöse Polyposis (FAP), ebenfalls eine seltene vererbte Erkrankung, wurde ausgeschlossen.

Neben dem Lynch-Syndrom gibt es auch das Cowden-Syndrom, das ebenfalls selten vorkommt. In diesem Fall liegt eine Mutation im PTEN-Gen vor, das an der Zellteilung beteiligt ist. Menschen mit diesem Syndrom haben ein deutlich erhöhtes Risiko für gut- und bösartige Tumoren in verschiedenen Organen, zum Beispiel in der Schilddrüse, der Brust, im Endometrium oder im Darm. Dennoch erkranken nur 19 bis 28 % der Menschen, die das Cowden-Syndrom tragen, im Laufe ihres Lebens an Krebs. Typische Merkmale zeigen sich bei Betroffenen in der Regel zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr. Dazu zählen insbesondere gutartige Hauttumoren im Gesichts-, Hals- oder Ohrenbereich, sogenannte Trichilemmome, sowie warzenähnliche Veränderungen der (Schleim-)Haut, beispielsweise im Mund oder im Genitalbereich, sogenannte papillomatöse Papeln. Zudem haben Personen mit Cowden-Syndrom häufig einen vergrößerten Kopfumfang, fachsprachlich als Makrozephalie bezeichnet. Erkrankungsalter und Ausprägung des Syndroms sind jedoch individuell unterschiedlich.(8), (9)

Zwei Sprechblasen auf orangem Hintergrund.

Beim „Mamma Mia!“-Patientenkongress können Sie sich durch den „Halt-bei-Krebs“-Stand sowie durch die Infoaustellung klicken.

Eine Frau lässt sich beim Arzt zum Thema Gebärmutterkrebs beraten.

Risikofaktoren für eine Gebärmutterkrebserkrankung kennen

Eine Gebärmutterkrebserkrankung kann hormonell oder genetisch bedingt sein. Auch wenn eine genetische Ursache deutlich seltener ist als eine hormonelle, kann bei entsprechendem Verdacht nach ausführlicher Beratung ein Gentest innerhalb der Familie sinnvoll sein. Mithilfe von Blutproben lassen sich Mutationen und damit auch Hinweise auf die Vererbbarkeit der Erkrankung feststellen. Auch wenn ein erbliches Syndrom nicht zwangsläufig bedeutet, dass Betroffene an Krebs erkranken, sind regelmäßige Früherkennungsmaßnahmen wichtig, um mögliche Veränderungen frühzeitig festzustellen. Risikofaktoren für eine hormonell bedingte Erkrankung können teilweise durch Veränderungen des Lebensstils positiv beeinflusst werden, beispielsweise durch Gewichtsregulation bei Übergewicht.

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Die Diagnose Gebärmutterkrebs ist für viele Betroffene ein einschneidendes Erlebnis. Zur emotionalen Belastung kommt oft die Unsicherheit, wie es weitergeht. Vielleicht auch bei Ihnen. Hier kann es hilfreich sein, sich eine Zweitmeinung einzuholen und (auch) dafür in ein zertifiziertes Zentrum zu gehen. Wir werfen gemeinsam einen Blick darauf.